Elfriede Jelinek - Bambiland / Babel. Zwei Theatertexte. PDF

PDF Als bekannt wurde, dass Elfriede Jelinek den Literatur-Nobelpreis 2004 erhalten würde, da waren viele (Männer) entsetzt und überrascht. Immerhin hatte man sich in Stockholm für eine dem Feminismus nahestehende Frau entschieden, für eine Frau zudem, die von ihren Gegnern in Österreich bereits des öfteren öffentlich als „Nestbeschmutzerin“ gebrandmarkt worden war. Und für eine Frau, deren Texte man wegen der von ihnen anvisierten „Sprachmelodie“ ja eigentlich gar nicht übersetzen kann.

Auch der Verlag Jelineks war überrascht und brachte mit dieser Ausgabe recht kurzfristig, aber sorgsam lektoriert zwei Stücke der Autorin in Buchform heraus, die beide vom Irakkrieg handeln: Bambiland über eine männlich-martialische Kriegsindustrie, die durch die Berichterstattung zum „Wartainment“, zu einer Art neuem Disneyland für TV-Junkies geworden ist, und Babel, ein Endlosgebrabbel mehrerer Menschen, die sich in einer gewaltvollen Welt ihre Bilder nicht nehmen lassen wollen („Nein, trennen Sie mein Bild nicht von mir ab, das wäre eine zu strenge Strafe, ich sagte es schon wiederholt, ich befahl es schon mehrmals! Lassen Sie mir mein Bild! Ich bin doch froh, dass es überhaupt gemacht worden ist“). Man merkt: Es geht nicht nur um den Irak-Krieg: Es geht um die Art und Weise, wie er uns vermittelt wurde — als Medienspektakel nämlich, als antiseptisch-brutale Bilderorgie aus einer Region, in der es zur religiösen Tradition gehört, dass man sich keine Menschenbilder machen solle. Das ist als Grundidee nicht originell (und war auch schon Thema Handkes in seinen umstrittenen Serbien-Essays). Aber die Autorin gibt dem Gedanken in beiden Stücken eine ganz eigene, Jelinektypische Sprache. Und die ist umstritten wie eh und je.

Das in gewohnter Manier originell-intelligente Vorwort des Bambiland-Regisseurs und ein über 40 Seiten langer Essay zu Jelineks neuem, an der Dramentheorie von Antonin Artaud orientiertem “Theater der Grausamkeit” runden den — im übrigen mit gutem Einband, schwerem Papier und Lesebändchen „haptisch“ sehr schön gemachten — Band ebenso ab wie die Inszenierungsfotos der ebenfalls umstrittenen Uraufführung von Bambiland im Wiener Burgtheater, die einen Eindruck davon vermitteln, wie man die medienkritischen Sprechstücke der Nobelpreisträgerin inszenieren kann — mit einer undurchschaubaren Flut von Bildern, Bildern, Bildern. — Thomas Köster


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